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40 Türchen

Zum Jubiläum öffnet der bsj Marburg mit 40 Türchen Ihnen und Euch vielfältige Einblicke in die Praxis des Vereins. Im Laufe des Jahres kommen stets neue Geschichten dazu.

Viel Freude beim Stöbern!

Frühe Ansätze einer europäischen Ausrichtung

Die erste Dekade des bsj Marburg war von zahlreichen Modellprojekten zur Entwicklung einer körper- und bewegungsbezogenen, abenteuerorientierten Arbeit in unterschiedlichen Feldern der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland geprägt.

Das Interesse der überregionalen Fachwelt, an den Erfahrungen des bsj zu partizipieren, nahm immens zu, ebenso wie die Disseminationspraktiken, mit denen der bsj versuchte, einer großen Nachfrage nach Fort- und Weiterbildungen für pädagogische Fachkräfte sowie nach komplexen Organisationsberatungen gerecht zu werden. Parallel dazu erfolgten zunächst eher zaghafte, dann immer systematischere Versuche des bsj, sich mit Organisationen im europäischen Ausland zu vernetzen, interkulturelle Erfahrungen zu sammeln und einen bereichernden Wissenstransfer zu ermöglichen, was schließlich in der Gründung des European Institute for Outdoor Adventure Education and Experiential Learning 1996 im österreichischen Spittal am Pyhrn gipfelte. Am Aufbauprozess dieses Verbundes hatte der bsj einen wichtigen Anteil und folgerichtig übernahm er in den Jahren danach weiter Verantwortung bei der Entwicklung dieses transnationalen Netzwerkes.

Das Modellvorhaben in Irland beleuchtet spannende und außergewöhnliche Projekterfahrungen aus jener Zeit Türchen:  Mädchen Bauprojekt in Nordirland. Friederike Stibane – Sozialpädagogik und Tischlerin –, die heute als Frauenbeauftrage der Stadt Gießen tätig ist, erinnert sich an das „Nordirlandprojekt“ aus dem August 1994, das in Kooperation des Internationalen Bundes, des bsj und des Nachbarschaftszentrums „Dove House“ in einem der sozialen Brennpunkte Derrys, der Bogside, stattfand, einem Stadtteil, der spätestens seit dem „Bloody Sunday“ von 1972 im Mittelpunkt des nordirischen Bürgerkriegs stand. Mitarbeiterinnen des „Dove House“ und des bsj planten gemeinsam ein Ferienprogramm für Kinder und Jugendliche des Stadtteils und setzten dieses gemeinsam mit nordirischen und deutschen Studentinnen und Studenten um. Friederike Stibane blickt vor allem zurück auf Erfahrungen in der Mädchenarbeit, die bei diesem interkulturellen Projekt einen Schwerpunkt bildete, aus denen sich aber bis in die Gegenwart hinein immer noch Rückschlüsse auf eine Arbeit ziehen lassen, die Mädchen ermutigen soll, sich Raum zu verschaffen und diesen zu behaupten.

Ein weiteres Türchen Umgang mit dem Fremden zeigt ebenfalls ein internationales EU-gefördertes Projekt aus den Jahren 1997-1999. Hier berichtet die ehemalige bsj-Mitarbeiterin Monika Eckern über die Entwicklung von Konzepten zur beruflichen und sozialen Integration jugendlicher Migrantinnen und zur Förderung von „Fremdheitskompetenz“ bei pädagogischen Fachkräften aus Schule und Jugendarbeit.

Ein weiteres internationales Türchen beschreibt die europäischen Vernetzungen in der Zeit von 2004 bis 2011: Europäische Fachkräftefortbildungen in Italien, Litauen, Polen, Frankreich und Bulgarien.

Dominic Lefebvre nimmt die Lesenden mit in eine Zeit steigender Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Insbesondere im Zuge der Veröffentlichungen internationaler Schülervergleichsstudien wurde zu Anfang des neuen Jahrtausends über die jeweiligen Landesgrenzen hinweg eine breite öffentliche Debatte über Bildung angestoßen. In dieser Debatte wurde auch gefragt, welche anderen Modi von Bildung - neben der Schule als dem zentralen Ort einer wissens-vermittelnden Bildungsinstitution - für die Lernprozesse der lernenden Subjekte wesentlich sind. Dabei rücken immer stärker non-formale und informelle Modalitäten und Orte der Bildung von Kindern und Jugendlichen in den Vordergrund. In diesem Zusammenhang suchte die italienische Agentur “Tecla” nach Projektpartner*innen, die erfahrungsbezogenen Lernmethoden bei der Förderung von benachteiligten Jugendlichen am Übergang von der Schule in den Beruf umsetzten und hierzu Fachkräftefortbildungen durchführen konnten.