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1 Segelschiff, 168 Stunden, unzählige Erfahrungen

Zwei Kolleginnen aus dem Bereich der Schulsozialarbeit konnten über die Generierung von Fördermitteln ihren Jugendlichen eine ganz besondere Fahrt anbieten: Einen Törn auf einem Segelschiff.

Die Gruppe sollte 7 Tage gemeinsam unterwegs sein und am Stettiner Haff in Mecklenburg-Vorpommern an Bord eines Grosseglers gehen, auf dem sie dann 7 Tage und 6 Nächte zusammen verbringen würden. Die 7 Jugendlichen erwartete eine gemeinsame Reise ins Unbekannte. Viele der 16-18-jährigen kannten sich vorher nicht und waren doch bereit, sich auf engstem Raum eines Schiffes zu begegnen. Das Unterwegssein war nicht im Rahmen einer Klassenfahrt oder keine klassischen Ferienfreizeit. Die jungen Frauen wurden von den Schulsozialarbeiterinnen gezielt angesprochen und eingeladen.

Die Reise bot den Jugendlichen viele Herausforderungen wie Wind und Regen sowie das Teilen enger Kajüten mit unbekannten Menschen aus unterschiedlichen Alltagsrealitäten und Erfahrungen. Alle Teilnehmerinnen hatten in ihrem Alltag zuhause Herausforderungen unterschiedlicher Art zu bewältigen, einige Mädchen kamen aus Kriegsgebieten und mussten von dort fliehen. Einige Teilnehmende hatten physische und psychische Gewalterfahrungen erlebt. Alle jungen Frauen hatten sehr diverse Bildungsverläufe und besuchten unterschiedliche Schulformen (oder besuchten sie nicht). Die Heterogenität und die unterschiedlichen Alltagsrealitäten erzeugten aber keine Abgrenzung und Ablehnung, sondern wurden von den Teilnehmenden als sehr gewinnbringend erlebt.

Eine Heranwachsende schilderte ihre Erfahrungen während der Reise: Anfangs „waren die Menschen um mich herum Fremde - Gesichter ohne Bedeutung, nur Körper mit verschiedenen Hautfarben, Stimmen, Bewegungen. Dann fing ich langsam an, die Menschen um mich herum wirklich zu sehen.“ Die Teilnehmerinnen beschrieben übereinstimmend die Reise als eine Zeit, in der sie sich frei fühlen und sie selbst sein durften. Sie erlebten 7 sehr intensive Tage, in denen sie vieles ausprobieren konnten und ihnen noch mehr zugetraut wurde (wie das Steuern eines Großseglers von 60 Tonnen übers offene bewegte Meer). Eine Teilnehmerin sagt sinnbildlich: „Wo vorher weiß war, sind jetzt unendlich viele Farben“ und „ich war endlich wieder in meinem Körper. Nach Jahren. Endlich wieder im Moment.“

Die Reisenden erlebten sich fern ihres Alltags mitten im Abenteuer auf dem Meer eins mit sich und verbunden mit Anderen.

Die Erfahrungen der Teilnehmenden und die Berichte der Pädagoginnen bestätigen einmal mehr die hohe Wirksamkeit des abenteuerlichen Unterwegsseins.

Das Vorhaben ist eingebunden in die Schulsozialarbeit der Universitätsstadt Marburg (Sozialpädagogisches Handeln an Schule). Das Projekt auf dem Großsegler wurde als Mikroprojekt aus Fördermitteln der Fachstelle Gendersensible Jugendarbeit (der Jugendförderung) der Universitätsstadt Marburg fianziert.